evangelische kirche königstein

Die Kirche

Termine Zum Nachlesen Kirche aktiv

Kontakt

Lesen Sie hier den Osterfestbrief 2020 (PDF):

 

 


 

Hier finden Sie eine Bildbetrachtung zum Gründonnerstag (PDF):




 

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesen Tagen sehnt man sich nach Ostern. Denn Ostern verheißt neues Leben, Freude, Auschwung, wiedergewonnene Kraft, frischen Elan.

Aber Ostern, jedenfalls das ursprüngliche echte Ostern der Bibel, gibt es nicht ohne die Vorgeschichte, ohne die Karwoche. Das Wort „Kar“ stammt aus dem Althochdeutschen. Es bedeutet „Trauer“  oder „Wehklage“. Damit sind wir ganz dicht an dem, was uns in dieser Woche beschäftigt: Das Leid der Erkrankten, die Angst der Angehörigen, die ungeheure Last der Verantwortung der Helfenden und der politischen Entscheidungsträger. Oft ist jetzt von Zahlen die Rede. Wir wissen aber: In dieser Krise geht immer um einzelne Menschen, um Personen, die zu einer Familie gehören, die Nachbarn und Kollegen haben, um Menschen also mit Namen und Gesicht.
Das Wort „Kar“, das dieser Woche den besonderen Namen „Karwoche“ verleiht, spricht vielen von uns aus dem Herzen. Trotz Sonnenschein und Frühlingsluft ist einem immer wieder nach Klagen zumute. Zumal die notwendige Kontaktsperre, die zum Glück von den allermeisten befolgt wird, schwierige Einschnitte gebracht hat. Besuche im Krankenhaus oder Seniorenheim sind nicht erlaubt. Geschäfte bleiben weiter geschlossen, vieles, was unser Leben bereichert und schön macht, wie etwa Familienbesuche und Treffen mit Freunden in den Ostertagen, wird nicht stattfinden können.
Zwar gibt es hier und dort einzelne trotzige Stimmen der Ungeduld, die sich über die Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit beschweren. Eine reifere Antwort auf die Krise scheint mir jedoch die Klage zu sein. Empathische Wehklage über gefährdetes Leben. Einsicht in die Härten, unter denen Menschen in anderen Ländern noch sehr viel mehr leiden als wir. Solidarität mit denen, die sich selbst überhaupt nicht mehr helfen können, und ein tiefes Mitleiden mit den Verzweifelten rund um den Globus, denen keiner beisteht.

Klagen zu können ist heilsam. Nicht jammern, sondern klagen!
In der Passionsgeschichte wird von Jesus erzählt, wie er nach dem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern im Garten Gethsemane um Fassung ringt. Er weiß, was ihm bevorsteht, auch, dass seine engsten Freunde ihn alsbald  im Stich lassen werden. Einsam „trauert und zagt“ er. Aber die Einsamkeit verändert sich in dem Augenblick, wo er sich an Gott wendet und betet. In diesem Gebet, in dem sich Jesus in seiner Verzweiflung und Angst Gott mitteilt, wächst ihm die Kraft zu, die er braucht: so kann er seinen Weg weitergehen. Und noch einmal, als er am Kreuz stirbt, betet Jesus und ruft zu Gott:
„Warum hast Du mich verlassen?“
Richtig klagen heißt ins Dunkle hinein rufen, bedeutet: hoffen, gehört zu werden und Gott zu vertrauen, auch wenn alles dagegen spricht.

Wer sich traut, wie Jesus zu klagen, aufrichtig und ehrlich, der wird empfänglich für die Osterbotschaft: Gott erweckt Jesus aus dem Dunkel des Todes, er verleiht ihm neues Leben. Unzerstörbares Leben, das er all denen zusagt, die wie Jesus auf Gott hin hoffen und vertrauen. Diese Osterwahrheit gilt. Auch wenn die Coronakrise nicht pünktlich zum Osterfest überwunden ist: die Botschaft dieses Festes hilft uns, durch Klagen und Vertrauen zu neuer Hoffnung zu gelangen.

Bleiben Sie alle gesund und behütet!
Ihre
Pfarrerin Katharina Stoodt-Neuschäfer und Pfarrer Dr. Bernhard Neuschäfer

 



Weitere "Corona-Gedanken" finden Sie hier!

 


 


Viele Bilder und Informationen zu wichtigen Ereignissen der Immanuelgemeinde finden Sie im umfangreichen Archiv